Linachtalsperre in Vöhrenbach

Gestaut werden soll die Wasserflut

Was kann eine kleine Gemeinde – wie Vöhrenbach mitten im Schwarzwald – tuen,
um ein Kraftwerk zu finanzieren?
Die ansässige örtliche Industrie – meist Handwerksbetriebe – braucht zwar den Strom,
kann aber das Geld zum Bau eines lokalen Kraftwerkes nicht aufbringen. Für die
Herausgabe von Aktien oder Anleihen ist das Vorhaben zu klein und die
Kraftwerksbetreiber winken ab.

Also besinnt sich die Gemeinde auf das Gut, was sie reichlich hat um die Baukosten zu
finanzieren: das Holz der Gemeinde aus den gemeindeeigenen Wäldern.

Bestellnr.: D498
Die Schuldverscheibung über Holz
Nach dem das deutsche Geld völlig wertlos wurde, blieben nur noch
Sachen als
Zahlungsmittel.

Die Gemeinde Vöhrenbach benutzte hierfür ihren Wald.

Anleihen werden normalerweise auf die Inlandswährung eines Landes ausgegeben, also
auf Reichsmark, Deutsche Mark, Dollar, Franken…

Wenn aber die Inlandswährung nichts mehr wert ist und deshalb eine solche Anleihe
auch niemand mehr kaufen würde, dann muß ein anderer Wert dahinterstecken –
Naturalien! So war es in der Zeit der deutschen Hyperinflation 1924. Die enorm hohen
und erpressten Reparationszahlungen Deutschlands an die Siegermächte des Weltkrieges
I nämlich Frankreich, Belgien und England plünderten die deutsche Industrie und den
Staat. Der verlorene Weltkrieg hinterließ einen bankroten Staat, da die Kriegskosten
über 90% mit Anleihen finanziert worden. Als Deutschland diese Zahlungen nicht mehr
leisten konnte, besetzten die Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet. Daraufhin stieg
der Wechselkurs auf 4.200.000.000.000 Mark für einen Dollar.

Dies führte zu einer Hyperinflation unvorstellbaren Ausmaßes.

Die Löhne und Gehälter waren schon bei der Auszahlung nichts mehr wert. Ein Brot, das
um 14:00 Uhr noch 100.000 Mark gekostet hatte, kostete um 16:00 bereits 500.000 Mark.

Was „wertbeständig“ blieb, waren die Naturalien.

Die Staumauer für das Wasserkraftwerk wurde vom Karlsruher Fritz Maier
entworfen und 1922 – 1925 gebaut. Die Mauer sollte das Flüßchen Linach aufstauen.

Die Mauer wurde 25m hoch und 143m lang. Sie ist die einzige in Deutschland gebaute
Gewölbereihen-Staumauer.

Das raue Klima im Schwarzwald setzte der Mauer fast 50 Jahre zu, bis das
Kraftwerk ca. 1965 stillgelegt wurde. Wegen Einsturzgefahr wurde die Talsperre 1988
geleert.

Doch seit 2006 ist die Talsperre wieder in Ordnung gebracht. Hierzu wurde 1999 ein
Förderverein „Rettet die Linachtalsperre“ gegründet.