Fafnirwerke
von Stahlnadeln zu Automobilen
Um 1900 schossen Firmen, die Automobile herstellten, wie Pilze aus den Boden. Allein in New York soll es mehr als 2000 Unternehmen gegeben haben. In Deutschland waren es mehrere Hundert. Allein in Aachen ware es neun: Fafnir, Cudell, Büssing, Scheibler, Mannesmann-Mulag, Goossens, Lochner&Co., Talbot und Berlin-Aachener Motorenwerke (BAM). Aber alle gingen ein.
Von diesen neun Unternehmen waren die „Aachener Stahlwaarenfabrik-Fafnirwerke AG“ die erfolgreichsten. Die Gründung erfolgte 1894 mit der Produktion von Nadeln. Die Firma war eine Zweigniederlassung der Iserlohner „Carl Schwanemeyer“ und Deutschlands größter Fahrradspeichenproduzent.
Nachdem das Fahrrad zum Massenverkehrsmitel wurde, stieg die Firma um auf die Produktion von Fahrradspeichen. Dies war so erfolgreich, dass die ehemalige Zweigniederlassung 1898 in Aachen eine eigene AG wurde, die „C.Schwanenmeyer, Aachener Stahlwaarenfabrik AG“. Insgesamt wurden 1.000 Aktien ausgegeben. Nach der Sättigung des Fahrradmarktes produzierte die Firma 1886 nun vorallem Einbaumotore für Motorräder und Autos. Die Produkte wurden als preiswert und von hoher Qualität angesehen. Ab 1902 wurde für die Produkte ein eigener Name eingeführt: „FAFNIR“ – der Drache aus der Die etablierten Autofirmen begannen aber inzwischen viele Teile selbst zu produzieren. Fafnir musste also den umgekehrten Weg gehen – es musste selbst Autos herstellen. Zwischen 1904 und 1925 entwickelte sich das Unternehmen zu einem zwar kleinen, aber bekannten Automobilproduzenten. 1912 erfolgte die Umbenennung in „Fafnir-Werke“.
Der Umstieg in die Automobilproduktion erfolgte mit dem Bau von „do-it-yourself“ Autobausätzen 1904 unter dem Namen „Omnimobil“. Der Bausatz beinhaltete einen 2-Zylinder Motor mit 6 PS, 700 ccm und später einen 4-Zylinder Motor mit 16 PS. Ab 1904 wurde das Unternehmen umbenannt in „Aachener Stahlwaarenfabrik AG zu Aachen“. Ab 1908 wurden fertige Autos hergestellt.
Bekannt waren der Typ „274“ mit bis zu 14 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und der Typ „284“ mit 16 PS und 70 km/h.
Dies waren alles sogenannte Herrenfahrzeuge – Autos ohne Chauffeur.
erfolgte mit der Aufnahme des Markennamens eine Namensänderung in „Aachener Stahlwaarenfabrik Fafnir-Werke AG“.
In den Verkaufskatalogen von 1912 wurden bereits 6 verschiedene Typen genannt.
Für die Modelle mussten Preise von 4100 bis 16 000 RM bezahlt werden.
wiederum eine Namensänderung – in „Fafnir Werke AG – Aachener Der Weltkrieg I brachte den deutschen Automobilbau fast zum Erliegen. Erst 1920 wurden bei Fafnir wieder moderne Fahrzeuge produziert.
Das letzte produzierte Modell war der Typ „471“, der bis 1927 gebaut wurde.
Fafnir war ein „Handwerksbetrieb“ – eine Umstellung auf Montagefliessbänder gelang nicht. Fafnir produzierte 1925 monatlich nur ca. 120 Autos – Konkurrenzbetriebe wie die deutschen Opelwerke stellten bereits die 30-fache Anzahl her.
1925 kam das Aus. Veraltete Produktionsmethoden, ungenügende Normung der Teile und die hohe Besteuerung der Autos als Luxusartikel behinderten die Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich wurden auf USA-Druck die hohen Importzölle ausländischer Automobile aufgehoben – Billige amerikanische Massenfahrzeuge kamen nach Deutschland.
Zuerst glaubte man durch massive Preissenkungen die Firma am Leben zu erhalten.
Aber nachdem die Fahrzeuge deutlich unter den Herstellkosten verkauft werden mussten, konnten die Gläubiger nicht mehr befriedigt werden. Die Verbindlichkeitren beliefen sich auf 1.8 Mill.RM. Ende 1925 übernahmen die Banken die Geschäftsaufsicht.
1926 meldete das Unternehmen Konkurs
Die Ursachen für den Konkurs waren vielfältig:
den verlorenen Weltkrieg I und den enormen Reparationszahlungen lag die deutsche Industrie generell am Boden. Ein internationaler Austausch war nicht – Die USA schotteten ihren Markt ab und Deutschland durfte auf importierte US-Autos keinen Zoll erheben. Die US-Autos konnten deshalb preiswert angeboten werden.
– die innerdeutsche Konkurrenz mit Daimler und Opel war sehr gross und die Kapitaldecke von Fafnir sehr klein.
leistete sich in seiner Boomzeit einen eigenen Autorennstall mit bis zu 7 Rennautos. Der wohl bekannteste Rennfahrer war Carracciola. Die Teilnahme an den Eifelrennen verschlang sehr viel Geld. Die Autos waren den engen und steilen Eifelstrassen nicht gewachsen und verlangten einen grossen Tross von